Das OB Hearing des Kreisjugendrings war insgesamt eine gut vorbereitete und strukturierte Veranstaltung. Moderiert wurde sie von Marla und Janni, die den Ablauf ruhig und fair gestaltet haben. Alle Kandidatinnen und Kandidaten hatten die gleiche Redezeit, das fand ich spitze.
Mein erstes Fazit lautet dennoch sehr bewusst:
Der Austausch mit jungen Menschen tut gut. Er ist wichtig und ehrlich.
Gleichzeitig muss man festhalten, dass dieser Austausch nur sehr eingeschränkt direkt stattgefunden hat. Viele Fragen und Ideen waren im Vorfeld von Jugendlichen formuliert worden und wurden dann eingebracht. Das ist ein guter Einstieg, ersetzt aber nicht das unmittelbare Gespräch. Ich würde mir für zukünftige Formate wünschen, dass junge Menschen stärker selbst sprechen, mit Rückfragen, mit spontanen Gedanken und auch mit Unsicherheit. Politik sollte hier mehr Raum lassen und weniger vorstrukturieren.
Während der Veranstaltung habe ich bewusst eine junge Teilnehmerin ermutigt, sich direkt zu beteiligen. Genau das ist aus meiner Sicht der richtige Weg. Jugendliche müssen nicht perfekt formulieren. Sie müssen sprechen dürfen. Ein echtes Gespräch entsteht nicht nur durch vorbereitete Zettel, sondern durch direkte Begegnung.
Auffällig war außerdem, dass trotz des klaren Jugendformats viele Politikerinnen und Politiker im Raum waren. Das verändert die Atmosphäre und täuscht eine ungleiche Zustimmung vor. Der Kreisjugendring hat sich sichtbar bemüht, dennoch eine möglichst neutrale Grundlage zu schaffen. Das möchte ich ausdrücklich anerkennen.
Jugendpolitik in Neuburg braucht ab 2026 einen strukturellen Neustart
Aus dem Hearing heraus wird für mich sehr deutlich, dass wir Jugendpolitik in Neuburg neu denken müssen. Nicht oberflächlich, sondern strukturell.
Das bestehende Jugendzentrum ist von der Räumlichkeit her hervorragend, bis auf die fehlende Barrierefreiheit. Der Standort und das direkte Umfeld sind jedoch nicht ideal gewählt. Jugendliche halten sich dort auf, wo Leben ist. Genau deshalb sollten wir darüber nachdenken, Jugendangebote stärker dorthin zu verlagern, wo junge Menschen tatsächlich sind. Im Schwalbanger und im Ostend betreiben wir Räume, die genau aus diesem Grund funktionieren. Für Neuburg brauchen wir zusätzlich oder alternativ einen Ort im Zentrum. Ergänzend zum bestehenden Jugendzentrum oder als neue Lösung. Darüber sollten wir offen und ohne Denkverbote sprechen.
Das Jugendparlament könnte dabei eine deutlich stärkere Rolle bekommen. Ich stoße an, den Altersrahmen von 21 auf 25 Jahre anzuheben. Die THI könnten wir einbinden. Vor allem aber braucht das Jugendparlament einen eigenen, voll verwalteten Haushalt. Ich halte eine Größenordnung von 50.000 Euro für angemessen.
Dieser Haushalt darf nicht mehr nachträglich durch den Stadtrat genehmigt werden müssen. Viermal im Jahr sollte es stattdessen eigene Sitzungen zur Haushaltsverwendung geben, mit städtischer Beteiligung und Mitarbeiterinnen, die die Umsetzung begleiten. Verantwortung übernehmen heißt auch, Verantwortung tragen zu dürfen.
Die Idee, auf eine parteipolitische Begleitung durch Stadtratsreferenten zu verzichten, habe ich seit längerer Zeit formuliert. Ich finde es gut und wichtig, dass diese Idee von mehreren Seiten gedacht wird. Schauen sie mal bei Instagram in den Kanel des Jugendparlaments, das sind mehr Politiker zu sehen als Junge Menschen.
Künftig sollte das Jugendparlament selbst zwei Vertreter benennen, die regelmäßig im Stadtrat berichten. Ich möchte ausdrücklich sagen, dass Dr. Franziska Hildebrand diesen Gedanken während des Hearings ebenfalls selbst eingebracht hat. Vorgeschlagen ist ein fester Tagesordnungspunkt in jeder zweiten Stadtratssitzung, also etwa sechs Mal im Jahr. Dort berichten die Jugendlichen eigenständig über ihre Entscheidungen, Projekte und Schwerpunkte. Aber nur das reicht nicht, im Zusammenhang mit Eigenständigkeit, ergibt sich für mich ein Konzept. Damit nehmen sie die Aufgabe der Jugendvertretung selbst wahr.
Ernst nehmen heißt loslassen
Jugendbeteiligung funktioniert nicht, wenn sie kontrolliert wird. Ehrenamtliche Aktionen sind wichtig und richtig. Aber echte Beteiligung zeigt sich dort, wo Jugendliche eigene Ideen entwickeln, eigene Veranstaltungen organisieren und eigene Schwerpunkte setzen. Ohne politischen Zugriff, ohne dauerhafte Begleitung durch Erwachsene mit Agenda.
Wir brauchen keine Bemutterung. Wir brauchen Vertrauen. Erst wenn junge Menschen selbst entscheiden dürfen, nehmen wir sie wirklich ernst.
Donauquerung und Ortsumfahrung – eine belastbare Entscheidung
Ein erheblicher Teil des Hearings drehte sich erneut um die Donauquerung. Dabei sind die Fakten eindeutig. In der Bürgerbefragung haben sich 68,9 Prozent dafür ausgesprochen, bei einer Beteiligung von 57,8 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner. Auf dieser Grundlage hat der Stadtrat mehrfach mehrheitlich entschieden, die Planung weiterzuführen.
Es folgte ein langer, harter Weg. Planungen, Zeichnungen, Gutachten, ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren und erhebliche finanzielle Vorleistungen. Wir sprechen hier von einem Projekt, das bereits viel Geld gekostet hat und das sich nicht verzögert hat, weil niemand wollte, sondern weil Fördermittel nur dann genehmigt werden, wenn das Gesamtprojekt vollständig umgesetzt wird. Sehr gerne hätten wir die Ortsumfahrung längst ohne Brücke gebaut und die Brücke später ergänzt. Technisch und förderrechtlich ist das jedoch nicht möglich.
Durch Klagen und Widerstände hat sich das Verfahren zusätzlich in die Länge gezogen. Das Bündnis Auwald statt Asphalt hat an dieser Stelle immer wieder interveniert. Das ist legitim. Ich habe jedoch stets dafür geworben, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, statt nur zu verhindern. Lieber mehr Maßnahmen, mehr Ausgleich, mehr Dialog, als am Ende alles infrage zu stellen.
Besonders problematisch finde ich es, wenn jetzt erneut darüber gesprochen wird, die Entscheidung grundsätzlich wieder aufzuschnüren. Viele Unternehmen entlang der Grünauer Straße haben in den letzten Jahren auf Basis dieser Entscheidung investiert. Im Nachgang erneut Unsicherheit zu erzeugen, wie es von GRÜNER Seite formuliert wird, ist aus meiner Sicht das Schlechteste, was man für den Wirtschaftsstandort Neuburg tun kann. Die geplant Kostenanteil Neuburgs von ca. 20 Millionen, trägt sich über einige Jahre und wird eine Herausforderung. Nicht in die Infrastruktur zu investieren und die Wahrscheinlichkeit für weitere wirtschaftliche Abwanderung zu erhöhen, wird uns deutlich mehr kosten. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.
Für mich ist klar: Ich stehe weiterhin zur Ortsumfahrung mit Donauquerung. Und ich bin dankbar, dass Matthias Enghuber diese Haltung teilt.
Schlussgedanke
Das OB Hearing war sinnvoll und richtig. Ich bedanke mich bei Guido Büttner und den Jungen Menschen, die sich eingebracht haben, beim Technik Team und allen Gästen.
Es zeigt deutlich, wo wir stehen. Jugendpolitik in Neuburg darf kein Anhängsel mehr sein. Sie braucht Struktur, Vertrauen und echte Verantwortung.
Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch saloppe Nachberichte oder Koketterie, sondern durch Haltung, Entscheidungen und das, was man über Jahre hinweg tatsächlich vertreten hat.
Wir brauchen Veränderung. Und wir sollten sie jetzt ernsthaft angehen.
Florian Herold





